„Mir ist es wichtig, zu zeigen, was für einen Kampf betroffene Mädchen tagtäglich mit sich selbst führen und dass der größte Gegner eigentlich sie selbst sind.“ Interview mit Lisa-Marie Koroll
Lisa-Marie Koroll spielt im Film die magersüchtige Lara. Sie litt selbst als 16-Jährige an Orthorexie – einer krankhaften Fixierung auf ausschließlich gesunde Lebensmittel. 2017 machte sie ihre Essstörung öffentlich: In ihrem Buch „Lass Konfetti für dich regnen“ teilt Koroll ihre Erfahrungen und liefert u. a. Ansätze für mehr Selbstliebe.
Wie viel von Ihnen steckt in Lara?
Mittlerweile habe ich so einen Abstand, dass es für mich keine Gefahr mehr ist. Ich weiß, dass ich nicht durch diese Rolle wieder anfange, an mir selbst zu zweifeln. Wie in jeder Rolle steckt auch in Lara sehr viel von mir. Man ist emotional involviert, weil man auch gewisse Dinge nachvollziehen kann.
Was hat die Geschichte von Lara bei Ihnen ausgelöst?
Es geht mir unglaublich nahe. Es ist unfassbar schwer, als Außenstehender nachzuvollziehen, was in einem betroffenen Mädchen vorgeht. Für mich ist das schwer zu ertragen, aber umso wichtiger ist mir jetzt, dass ich das durch den Film auch transportiere.
Was war Ihnen bei der Verkörperung von Lara wichtig?
Mir ist es wichtig, zu zeigen, was für einen Kampf betroffene Mädchen tagtäglich mit sich selbst führen und dass der größte Gegner eigentlich sie selbst sind. Man denkt ja, dass Magersucht in erster Linie etwas mit Dünnsein zu tun hat. Doch das stimmt nicht, es geht eher um Kontrolle, Selbstdisziplin und oft auch Selbstbestrafung.
Wie kann man es aus Ihrer Sicht vermeiden, in diese Spirale zu geraten?
Was mir geholfen hat, waren meine Familie und die richtigen Leute um mich herum. Ganz wichtig, vor allem bei jungen Mädchen, ist aber auch der Umgang mit Social Media und zu erkennen, wie vieles Fake und Schein ist. Ein Beispiel aus der Vorbereitung für den Film: Ich konnte und wollte dafür nicht in kurzer Zeit viel abnehmen. Für Fotovorproduktionen musste mein Körper aber sehr dünn sein, also wurde mein Kopf in entsprechende Bilder retuschiert. Zu sehen, was durch Photoshop alles möglich ist, war ganz krass für mich.