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„Unser Land, die Bundesrepublik Deutschland, braucht einen Präsidenten, (...), der vom Vertrauen, nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen wird. Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen und damit meine Wirkungsmöglichkeiten nachhaltig beeinträchtigt sind.

Aus diesem Grund ist es mir nicht mehr möglich, das Amt des Bundespräsidenten nach innen und nach außen so wahrzunehmen, wie es notwendig ist. Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück.“

(Auszug aus der Rücktrittserklärung Christian Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten, Quelle http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Christian-Wulff/Reden/2012/02/120217-Erklaerung.html)

„Erneut wagt sich SAT.1 an ein politisches Thema mit hoher Brisanz. Den Rücktritt des ehemaligen Bundes­präsidenten Christian Wulff zeigen wir als packendes Doku-Drama mit einer hervorragenden Besetzung. Der Film schildert Wulffs letzte 68 Tage im Amt — die persönliche Tragödie eines Staatsoberhauptes zwischen Enthüllungen und dem verzweifelten Kampf um den Verbleib im Amt: Ein frei erfundenes Drehbuch könnte nicht spannender für SAT.1 sein.“

(SAT.1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow)

Das Doku-Drama „Der Rücktritt“ zeigt nicht nur eine fesselnde Analyse der Medienwelt, sondern gewährt auch einen Einblick in die dahinterstehenden Persönlichkeiten. Regie führte Thomas Schadt („Der Mann aus der Pfalz“), der unter journalistischer Mithilfe von Jan Fleischhauer (DER SPIEGEL) auch das Drehbuch verfasste, das insbesondere auf eigenen Recherchen, aber auch auf zahlreichen Quellen (u.a. „Affäre Wulff“ der beiden BILD-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch) beruht.


„‚Der Rücktritt‘ wird ein Film über Moral — Moral in der Politik, in den Medien und in der persönlichen politischen Verantwortung.“

(Nico Hofmann, Produzent und Vorsitzender der Geschäftsführung UFA FICTION)

17. Februar 2012: An der Seite seiner Ehefrau Bettina (Anja Kling) erklärt Bundespräsident Christian Wulff (Kai Wiesinger) im großen Saal von Schloss Bellevue seinen Rücktritt. 


Hinter dem Ehepaar liegen

– 68 Tage, seit Wulff auf einer Auslandsreise von einer geplanten Enthüllungsgeschichte der BILD-Zeitung erfuhr …
– 68 Tage, in denen der Druck der Medien auf den Bundespräsidenten und früheren Ministerpräsidenten immer mehr zunahm …
– 68 Tage, die letztlich die Aufhebung der Immunität nach sich zogen …
– 68 Tage Ringen um das Amt als Staatsoberhaupt der Bundes­republik Deutschland …

Ein am 13. Dezember 2011 in der BILD-Zeitung veröffentlichter Artikel („Wirbel um Privat-Kredit – Hat Wulff das Parlament getäuscht?“) über ein ihm gewährtes Darlehen in Höhe von 500.000 Euro markierte den Anfang für die (im Film dargestellten) insgesamt 68 Tage bis zum Rücktritt des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff.


Für den Artikel wurden die beiden Redakteure Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch 2012 mit dem Henri Nannen Preis in der Kategorie „Investigation“ ausgezeichnet:

„Sie hatten fast ein Jahr lang recherchiert und waren schließlich als erste darauf gestoßen, dass der höchste Repräsentant unseres Staates in seiner vorherigen Rolle als niedersächsischer Ministerpräsident einen dubiosen Privatkredit angenommen und dem Parlament nicht die volle Wahrheit gesagt hatte. Ein Fall von größtmöglicher Fallhöhe.“

(Auszug Pressemitteilung zu den Preisträgern Henri Nannen Preis 2012)


Den Kredit hatte Christian Wulff bei der Unternehmergattin Edith Geerkens aufgenommen, um sein Eigenheim in Burgwedel zu finanzieren. Im Landtag verneinte Christian Wulff später Geschäftsbe­ziehungen zu deren Gatten Egon Geerkens, der ihn mehrmals auf Auslandsreisen begleitete. Die Opposition sah darin einen Verstoß gegen das Ministergesetz und das Verbot für Regierungsmitglieder, Geschenke in Bezug auf ihr Amt anzunehmen.


In der Folgezeit recherchierten und veröffentlichten die deutschen Medien weitere vermeintliche Verquickungen zwischen beruflichen und privaten Interessen des damaligen deutschen Staatsoberhaupts mit der Auswirkung einer breiten Diskussion in der Bevölkerung über Moral und Integrität in der Politik. Die Aufhebung der Immunität und der daraus folgende Rücktritt Christian Wulffs von seinem Amt am 17. Februar 2012 setzen den Schlusspunkt dieser 68 Tage.

Interview mit Kai Wiesinger


In „Der Rücktritt“ spielen Sie Ex-Bundespräsident Christian Wulff, eine bekannte Figur der deutschen Politik in der jüngsten Vergangenheit. Warum haben Sie sich für diese Rolle entschieden?

Kai Wiesinger: Die Rolle hat mich fasziniert. Alle Welt hat miterlebt, wie die Medien den Bundespräsidenten demontiert haben — und jedermann hat den Bundespräsidenten in öffentlichen Auftritten während dieser Zeit beobachten können. Wir versuchen mit diesem Film, den Emotionen und Entwicklungen nachzuspüren — wie sich die Schlinge immer enger zog und der Bundespräsident in einen medialen Strudel gerissen wurde, aus dem es kein Entkommen gab.


Wie genau haben Sie Ihr reales Vorbild studiert? Welche Eigenheiten sind Ihnen aufgefallen, die Sie übernommen haben?

Es geht in diesem Film nicht darum, Eigenheiten zu kopieren oder jemanden zu imitieren, sondern den Gefühlen nahezukommen. Da steht für uns die Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit im Vordergrund.


Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Ich habe so viel zu dem Thema gelesen wie möglich. Der Film basiert auf verschiedenen Veröffentlichungen. Gerade die unterschiedlichen Aussagen und Stellungnahmen machen das Bild komplex und nur so kann man dem tatsächlichen Geschehen nahekommen. Zudem ist für mich zur Vorbereitung der Dialog mit dem Regisseur besonders wichtig.


Wie haben Sie damals die Ereignisse rund um den Rücktritt Christian Wulffs wahrgenommen?

Ich war schockiert, wie respektlos Menschen in einer solchen Situation miteinander umgehen. Das Geschehen und die Macht der Medien hat mich erschreckt. Es hat mich traurig gemacht zu sehen, mit welcher Zerstörungslust manche Medienvertreter handeln und sich ohne jede Selbstreflektion zu Richtern aufschwingen. Ich fand es abstoßend, wie einige Menschen im Namen der Moral Skandale schufen und die eigene Ethik dabei vollkommen verloren.


Was genau ist die Herausforderung für Sie, den Menschen Christian Wulff zu spielen?

Das ist eine sehr spannende Aufgabe. Denn vollkommen losgelöst von der gesellschaftlichen Position erleben wir alle sicher sehr ähnliche Situationen, in denen äußere Wahrnehmung und Wahrheit aufeinander prallen. Ich möchte mit meiner Darstellung nicht Christian Wulff in den uns bekannten Auftritten nachahmen, sondern exemplarisch die Gefühlswelt in einer solchen Situation erlebbar machen.


Worin sehen Sie Ihre Verantwortung in der Rolle Christian Wulffs?

Die Verantwortung ist immer groß, wenn man einen realen Menschen spielt und nicht allein eine fiktive Geschichte erzählt. Auch wenn es eine künstlerische Arbeit ist, die nicht behauptet, das Vorbild zu sein, sondern immer eine Interpretation sein wird und will, so versuche ich doch immer, dem Menschen gerecht zu werden und seiner Wahrheit mit meinen Mitteln so nahezukommen wie möglich.


Der Film zeigt, wie eine führende Person in der Politik durch die Macht der Medien zu Fall gebracht werden kann. Wie sehr lassen wir uns von der Meinungsbildung großer Medien beeinflussen?

Die Medien haben eine ungeheure Macht, aber auch eine ungeheure Verantwortung in Bezug auf die Würde des Menschen und den Wahrheitsgehalt der Berichterstattung. Es liegt an uns, wie sehr wir uns davon beeinflussen lassen.


Mit der Polit-Satire „Der Minister“ hat SAT.1 im Frühjahr 2013 Medien und Zuschauer gleichermaßen überrascht. „Der Rücktritt“ schlägt als Doku-Drama einen komplett anderen Weg ein. Worin liegen Ihrer Meinung nach die Stärken dieser Geschichte?

„Der Rücktritt“ ist ein Doku-Drama. Der Film versucht, das nachzuempfinden, was die handelnden Personen durchlebt haben, ihre Entscheidungen und Gefühle nachvollziehbar zu machen. Wir versuchen, die Innenwelt nachzuempfinden und nicht, etwas zu beurteilen.


„Ich war schockiert, wie respektlos Menschen in einer solchen Situation miteinander umgehen.“

 

Interview mit Anja Kling


In „Der Rücktritt“ spielen Sie die Ehefrau des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff. Warum haben Sie sich für diese Rolle entschieden?

Anja Kling: Schon das Konzept der Drehbuchautoren habe ich mit großem Interesse gelesen. Das Format des Doku-Dramas macht es möglich, gleichzeitig Fakten und eine faire fiktionale Interpretation der Ereignisse darzustellen, wobei ich sehr auf das Team von Nico Hofmann und meine wunderbaren Kollegen Kai Wiesinger und Regisseur Thomas Schadt vertraut habe.


Wie genau haben Sie Ihr reales Vorbild studiert? Welche Eigenheiten sind Ihnen aufgefallen, die Sie übernommen haben?

Ich habe viel gelesen und mich mit Thomas Schadt und vielen anderen ausgetauscht. Die Maskenbildner haben versucht, eine gewisse Ähnlichkeit herzustellen, Haar- und Augenfarbe machen da sehr viel aus. Ansonsten versuche ich, mein reales Vorbild nicht in irgendeiner Form „nachzumachen“, sondern interpretiere eine Figur so authentisch wie möglich mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln.


Unabhängig von Ihren persönlichen Recherchen zum Thema: Wie wichtig war der Austausch mit den Drehbuchautoren für Ihre Vorbereitung?

Thomas Schadt hat aus meiner Sicht sehr überzeugend die Rechercheergebnisse für die Form des Doku-Dramas aufgearbeitet und unter Mithilfe von Jan Fleischhauer ein hoch interessantes Drehbuch geschrieben. Wir haben ausführlich über das Drehbuch gesprochen, was mir die Zusage zu diesem Projekt sehr erleichtert hat.


Wie haben Sie damals die Ereignisse rund um den Rücktritt Christian Wulffs wahrgenommen?

Besonders die Printmedien hatten zuvor Christian und Bettina Wulff zum deutschen „Traumpaar“ auserwählt — und dann die Wahl zum Bundespräsidenten. Es war schon eher tragisch, den Abstieg des Präsidentenpaares über die Medien zu verfolgen.


Sie haben sich in Vorbereitung auf den Dreh und während der Dreharbeiten eingehend mit Ihrer Figur befasst. Können Sie verstehen, dass Bettina Wulff nicht mehr die Kraft hatte, um ihre Ehe zu kämpfen?

Vielleicht könnte ich diese Frage beantworten, wenn ich die Wulffs schon lange persönlich kennen würde und nicht nur über die Medien.


Durch Bettina Wulff, die schöne, junge Gattin an der Seite unseres Ex-Bundespräsidenten, stand das Paar nicht nur auf der politischen Bühne im Rampenlicht. Wie viel Glamour verträgt die Politik?

Ich glaube, dass Glamour in der Politik in unserer Zeit durch die Macht der Medien dazugehört. Da sind die Paare der englischen und europäischen Königshäuser, die Obamas in den USA, und auch Deutschland hätte mit einem jungen Präsidentenpaar einen entsprechenden Platz einnehmen können.


„Ich glaube, dass Glamour in der Politik in unserer Zeit durch die Macht der Medien dazugehört.“

Zum Hintergrund: Interviews mit Thomas Schadt und Jan Fleischauer

 

„Eine kritische Betrachtung schließt Respekt nicht aus, sondern hoffentlich ganz selbstverständlich mit ein.“

Thomas Schadt (Drehbuch und Regie)


Herr Schadt, die FAZ bezeichnet Sie als „Meister des Dokumentarischen“. Wann kam Ihnen die Idee, die letzten Tage im Amt von Christian Wulff für das TV aufzuarbeiten?

Thomas Schadt: Nico Hofmann hat mir das Projekt Anfang letzten Jahres angeboten. Die Idee zu dem Film entwickelten wir dann gemeinsam. Wir haben die Vorgänge zwischen Dezember 2011 bis Februar 2012 sehr interessiert verfolgt. Für uns stellte das Ganze ein nahezu klassisches Eingeschlossenen­Drama dar: Drinnen im Bellevue Christian Wulff und seine Berater, belagert von den Medien, die außen einen unge­heuren Druck aufbauen.


Was hat Sie an diesen Ereignissen fasziniert?

Ich versuchte mir vorzustellen, wie die „Eingeschlossenen“ mit dieser Belagerung zurechtkommen, welchen psychi­schen Belastungen sie dabei ausgesetzt sind, welche Strate­gien sie entwickeln, um heil aus der Sache rauszukommen. Was ja am Ende auch aufgrund individueller Fehler Christian Wulffs nicht geklappt hat. Und ich war erstaunt und irritiert über das Vorgehen und Verhalten der Medien. Die Respektlosigkeit und Häme, mit der hier teilweise attackiert wurde, fand ich abstoßend und einer „Zivilgesellschaft“ unwürdig.


Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit dem SPIEGEL-Journalisten Jan Fleischhauer. Welchen Input bekamen Sie von ihm?

Jan Fleischhauer ist ein hervorragender Journalist, der über Christian Wulff und die Gründe für seinen Rücktritt schon damals besonnen und abwägend geschrieben hat. Er hat für das Drehbuch fundierte Hintergrundrecherchen beigesteuert und mir mit seiner journalistischen Erfahrung sehr geholfen, in der Geschichte insgesamt den richtigen „Tonfall“ zu treffen.


Neben rein dokumentarischen Elementen hat „Der Rücktritt“ auch einen fiktionalen Teil. Auf welche Quellen stützen sich Ihre Recherchen?

Fleischhauer und ich waren bemüht, jede verfügbare Quelle zu nutzen. Dazu gehören selbstverständlich die Bücher „Affäre Wulff“ von Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch und „Der böse Wulff?“ von Michael Götschenberg. Aber auch Print-Interviews, mit Bettina Wulff beispielsweise, haben wir sorgfältig ausgewertet. Geholfen haben zudem zahlreiche selbst geführte Hintergrundgespräche im Umfeld Christian Wulffs sowie der Politik und der Medien im Allgemeinen.


Welche Stärken hat das Genre Doku-Drama für Sie als Autor und Regisseur?

Das Genre des Doku-Dramas bietet sich für diesen Stoff geradezu idealtypisch an. Auf der einen Seite das Fiktionale, das sich bemüht, die psychologische und emotionale Innenwelt der Protagonisten im Schloss nachzuvollziehen. Auf der anderen Seite das Realmaterial, das nicht nur belegt, wie die Medien über die Vorgänge berichtet haben, sondern in der Spiegelung mit dem Fiktionalen geradezu erschreckend offenlegt, wie rücksichtslos, zynisch und oberflächlich teilweise journalistisch gearbeitet wurde.


Es heißt, Ihnen käme es „auf jede Regung, jede Nuance“ an. Worauf achten Sie bei Dokumentationen über lebende Personen?

Im Dokumentarischen sprechen wir von der „anteilnehmenden Beobachtung“. Das heißt, dass wir Dokumentaristen einfach möglichst genau hinsehen und uns dabei von der Realität immer wieder aufs Neue überraschen lassen. Diese Bereitschaft ist enorm wichtig, um sich ein eigenes Bild machen zu können und nicht nur ein bereits vorhandenes zu wiederholen. Dazu kommt, dass die Würde der Protagonisten unantastbar ist. Das ist eine Frage der inneren Haltung, einer Berufsethik, die mir hier in diesem speziellen Fall besonders wichtig erscheint.


Sie sprachen in Bezug auf „Der Rücktritt“ auch von einem „Sittengemälde“. Was meinen Sie damit?

Die Vorgänge rund um den Rücktritt Christian Wulffs haben mir Fragen gestellt. Wie gehen wir in unserer Gesellschaft eigentlich miteinander um? Wie steht es um den nötigen gegenseitigen Respekt dabei? Wie öffentlich, wie gläsern wollen wir medial noch werden? Brauchen wir das Amt des Bundespräsidenten in dieser Form noch? Und wie sollte jemand charakterlich geprägt sein, der dieses Amt begleitet? Das sind Fragen, die weit über den konkreten „Fall Wulff“ hinausweisen. Fragen, die sich damit beschäftigen, wie wir in unserer Gesellschaft miteinander leben wollen. 


Sie sprechen das Thema Respekt an: Wie lässt sich das mit dem Film vereinbaren?

Sehr gut! Eine kritische Betrachtung schließt ja Respekt nicht aus, sondern hoffentlich ganz selbstverständlich mit ein.


Haben Sie in Kai Wiesinger und Anja Kling Ihre perfekten „Wulffs“ gefunden?

Anja Kling und Kai Wiesinger sind ganz hervorragende Schauspieler und für mich waren sie, wie der Cast im Ganzen, ein großes Geschenk. Denn die „Figuren“ fangen ja erst durch ihre Schauspielkunst an zu leben. Besonders beeindruckt hat mich dabei, dass sich Anja und Kai weder durch öffentliche Klischees, noch durch den allgemeinen Druck die „Wulffs“ darzustellen, haben beeinflussen lassen. Sie haben sich Kraft ihrer eigenen Persönlichkeit in ganz wunderbarer Weise auf darzustellende Charaktere eingelassen und diese bei aller nötigen kritischen Distanz mit menschlicher Wärme ausgefüllt.

„Uns hat am ,Fall Wulff‘ interessiert, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten.“

Jan Fleischhauer (journalistische Mitarbeit am Drehbuch)


Herr Fleischhauer, wie haben Sie in Ihrer Tätigkeit als SPIEGEL-Journalist den Ex-Bundespräsidenten wahr­genommen?

Jan Fleischhauer: Vor seinem Sturz als jemanden, der dieses Amt so geliebt hat wie wenige vor ihm. Nach dem Ausbruch der Krise als einen zunehmend verzweifelt um seinen Job kämpfenden Menschen, der bis zum Schluss nie ganz verstanden hat, was mit ihm und seiner Frau geschah.


War der Rücktritt unvermeidlich?

Ab einem bestimmten Punkt sicher. Der Umschlagpunkt war aus meiner Sicht sein verunglückter Fernsehauftritt, danach schlug auch die Stimmung im Publikum um. Aber vorher hätte es eine Reihe von Möglichkeiten gegeben, die Krise zu wenden. Wulff ist auch daran gescheitert, dass er immer nur juristisch argumentiert hat und nicht erkennen wollte, dass dies als Politiker auf Dauer nicht geht. Genau hier lag der entscheidende Dissens mit seinem Sprecher Olaf Glaeseker, der schließlich zum Bruch der beiden führte.


„Der Rücktritt“ hat neben rein dokumentarischen Elementen auch einen fiktionalen Teil. Welche Quellen haben Sie für den fiktionalen Teil genutzt?

Vor der Arbeit am Drehbuch stand eine umfangreiche Recherche. Das unterscheidet dieses Projekt sicherlich von vielen anderen. Natürlich ist nicht jeder Dialog wörtlich belegt, niemand hat schließlich ein Tonband mitlaufen lassen, wenn im Schloss Bellevue über einen Ausweg beraten wurde. Aber für jede Szene, die im Film zu sehen ist, gibt es mindestens einen Zeugen, der den von uns geschilderten Ablauf im Wesentlichen bestätigen kann.


Die Handlung im Film dauert 68 Tage. Warum gerade diese Zeitspanne?

Der Film beginnt mit der Anfrage zu dem dann skandalisierten Hauskauf des Ehepaars Wulff in ihrem Heimatort Großburgwedel und endet mit dem Rücktritt am 17. Februar 2012. Thomas Schadt und mir erschien diese Zeit als die natürliche für ein Projekt, wie es uns vorschwebte. Da wir nie vorhatten, im Nachhinein noch einmal ein Urteil über den Fall zu sprechen, war für uns auch nebensächlich, was anschließend an juristischen Nachwehen einsetzte.


Die Medien werden als vierte Macht im Staat dargestellt. Wie bewerten Sie dies als Journalist eines meinungsbildenden Magazins?

Ich bin immer skeptisch, wenn sich Journalisten zu wichtig nehmen. Im Grundgesetz ist jedenfalls an keiner Stelle von den Medien als der vierten Macht im Staate die Rede. Zu große Medienmacht ist den Leuten genau so unheimlich wie eine zu große Macht von Politikern.

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Was denken Sie dabei in Bezug auf den Ex-Bundespräsidenten?

Was den „Fall Wulff“ von vielen anderen unterschieden hat, war die Einhelligkeit in der medialen Bewertung. Nor­malerweise ist die journalistische Welt bei solchen Affären in zwei Lager gespalten, hier schienen nahezu alle einer Meinung. Das hat viele Bürger irritiert, auch wenn sie selbst vielleicht zu dem gleichen Schluss kamen wie die Kommen­tatoren. Man sah das auch in den Umfragen: Bis zum Schluss war die öffentliche Meinung gespalten, was Wulffs Rücktritt anging.


Wie lässt sich das Thema Respekt mit dem Film vereinbaren?

Wer den Film sieht, wird feststellen, dass es nicht darum geht, im Nachhinein noch einmal Recht zu behalten. Uns hat am „Fall Wulff“ interessiert, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten, wie sie auf Druck reagieren, welche Fehler sie machen und wo sie vielleicht über sich hinauswachsen. Das ist ein Thema, das über den Tag hinaus Gültigkeit hat.

Besetzung

Christian Wulff: Kai Wiesinger

Bettina Wulff: Anja Kling

Martin Heidemanns: Thorsten Merten

Nikolaus Harbusch: Christian Ahlers

Lothar Hagebölling: René Schoenenberger

Olaf Glaeseker: Holger Kunkel

Sprecherin: Valerie Niehaus

ProtokollchefIngo Hülsmann

Kai Diekmann: Hans-Jochen Wagner

u.v.a

 

Stab

Produktionsfirma: UFA Fiction GmbH

Produzenten: Nico Hofmann, Joachim Kosack, Benjamin Benedict

Producerin: Korinna Roters

Regie: Thomas Schadt

Drehbuch: Thomas Schadt, unter Mitarbeit von Jan Fleischhauer

KameraStefan Unterberger

SchnittHeike Parplies

Redaktion SAT.1Jochen Ketschau

SAT.1 Satellitenfernsehen GmbH

Sprecherin Diana Schardt 


ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH 

Ein Unternehmen der ProSiebenSat.1 Media AG 


www.presse.sat1.de


© SAT.1/ Stefan Erhard/Gestaltung: schlicht.de


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